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An der schönen blauen Donau – der Wiener Walzer
Wir befinden uns mitten in der Ballsaison. Im ganzen Land werden Faschingsbälle gefeiert, welche ihren Höhepunkt am Faschingswochenende erreichen. In Österreich wird besonders gerne getanzt. Dabei darf ein Wiener Walzer nicht fehlen. Wenn aber vom Wiener Walzer gesprochen wird, ist dies meist gleichbedeutend mit „dem“ klassischen Wiener Walzer „An der schönen blauen Donau“.
Der Donauwalzer wird vom österreichischen Volk als seine inoffizielle Hymne empfunden. Eduard Hanslick nannte diesen Walzer „ein patriotisches Volkslied ohne Worte". Der Donauwalzer ist alljährlich jenes Musikstück, das vom Österreichischen Rundfunk in den ersten Minuten jeder Neujahrsnacht auf allen Sendern ausgestrahlt wird. Der Donauwalzer wurde von Johann Strauß (Sohn) im Jahre 1867 komponiert. Der vollständige Titel lautet "An der schönen blauen Donau". Heute ist der Donauwalzer fixer Bestandteil und Höhepunkt der Neujahrskonzerte.
Titel für Strauß-Walzer wurden oft von den Widmungsträgern oder den Veranstaltern vorgeschlagen. Der Donauwalzer erhielt seinen Namen vom Komponisten selbst. Es ist durchaus möglich, dass er von einem Gedicht des ungarischen Dichters Isidor Beck Kenntnis hatte, ein Gedicht, wo sich die Worte „An der schönen blauen Donau" wieder finden, das sich aber nicht auf Wien bezog, sondern auf Baja, den Geburtsort des Dichters. Baja liegt an der „blauen" Donau, im Gegensatz zur nahe gelegenen „blonden" Theiß. Am 3. Juli 1866 wurde das Kaiserreich Österreich unter der Leitung von General Benedek bei Koniggrätz von den vereinigten preußischen Armeen (Leitung General von Moltke) besiegt. Da man ein Vorrücken preußischer Truppen auf die Stadt Wien befürchtete, dachte man daran, Wien zur offenen Stadt zu erklären, um sich Kampfhandlungen in der Stadt zu ersparen. Die Mobilität der Bewohner Wiens wurde durch Verordnungen eingeengt. Der Ernst der Lage zeigte sich auch darin, dass Bälle abgesagt wurden, ebenso ein Narrenabend des Wiener Männergesangs-Vereins, einer Vereinigung, die im Jahre 1843 gegründet worden war. Dieser Männerchor ersuchte Strauß um einen Walzer, der 1867 auf einer den Narrenabend ersetzenden Liedertafel zur Aufführung gebracht werden sollte. Strauß nahm das Angebot an, dieser Konzertwalzer wurde der erste Vokalwalzer von Johann Strauß, da der Männergesangsverein der Liedertafel einen parodistischen Charakter mit zeitkritischer Satire geben wollte.
Am 15. Februar 1867 erklang beim Konzert des Männergesangsvereins im Ballsaale des Dianabades zum ersten Mal der Walzer „An der schönen blauen Donau". Das Publikum lehnte den Walzer ab, trotzdem gab es eine Wiederholung, doch war Johann Strauß bei seinen Konzerten größte Beifallsstürme gewohnt. Die Ursache der nicht allzu großen Begeisterung ist darin zu sehen, dass der Walzer nach Meinung des Publikums mit einem dummen Text unterlegt wurde. Im Wien des Jahres 1867 wurden Texte für solche Gelegenheiten von dem schriftstellerischen Beamten der Polizeidirektion Josef Weyl verfasst. Er hatte die Funktion eines Haushumoristen des Männergesangs-Vereins inne, und so versah er den fertig komponierten Walzer von Strauß mit den Worten „Wiener, seid froh! - Oho, wieso?" Diese Wortwahl entsprach nicht den Empfindungen des Komponisten, sehr wohl aber der damaligen tristen politischen Lage, spielte doch der Text in kabarettistischer Art und Weise auf die damaligen Zeitereignisse nach der verlorenen Schlacht bei Königgrätz an.
Wien beginnt erst um die Jahrtausendwende eine Stadt zu sein, die unmittelbar an der Donau liegt. Am 23. August 1979 übergibt Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky in einer Zeremonie dem Generalsekretär der UNO, dem Österreicher Dr. Kurt Waldheim, das fertig gestellte „Internationale Amtssitz - und Konferenzzentrum Wien", auch „Vienna International Centre" bezeichnet. Am 13. Oktober 1987 wird nach fünfzehnjähriger Bauzeit das riesige Donauregulierungsprojekt in Wien fertig errichtet. Die Donauinsel, entstanden aus Erdaufschüttungen, steht seitdem als Naherholungsgebiet zur Verfügung. Wien kann aller Voraussicht nach von keinem Hochwasser mehr bedroht werden, außerdem liegt die Großstadt Wien mit dem bedeutenden Bau der UNO-City erstmalig an der Donau.
1867 lag Wien keineswegs an der Donau. Das heutige Bett des Donaustromes ist ein künstliches Gebilde, geschaffen in den Jahren 1870 bis 1875. Wie das Bild von den Donauauen bei Nußdorf zeigt, floss 1867 die Donau noch in vielen Armen durch Auen und unbewohntes Gebiet an Wien vorbei.
Quelle:
Das Kulturinformationssystem (TU Graz) |
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