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„Eierpecken“ oder „Eierturtschen“?
Neben dem Osterhasen dreht es sich zu Ostern vor allem um die Eier: Sie stehen im absoluten Mittelpunkt von Bräuchen, die meist ein Kräftemessen sind. Galten Sie früher unter Pärchen als Liebesgabe, werden sie heute von Kindern am Ostersonntag eifrig gesucht und danach zum Eierpecken gebraucht. Ausgegangen ist dieser alte, vor allem im ländlichen Österreich ausgeübte Brauch vom früheren „Eiersammeln“. Jungen Burschen gingen zu Ostern von Haus zu Haus und wurden von den Mädchen oder der Bäuerin mit gefärbten oder gescheckten Eiern beschenkt. Die Burschen untereinander huldigten dem Brauch des Eierpeckens und Eierturtschens. Beim Eierpecken wurde mit einer Münze aus gewisser Entfernung gegen ein gefärbtes Ei geworfen. Wenn die Münze das Ei getroffen hatte und darin steckengeblieben war, gehörte das Ei dem Münzenbesitzer; hatte er danebengeworfen, gehörte die Münze dem Eibesitzer. Zu diesem Eierpecken gehörte große Geschicklichkeit. D as Eierturtschen hingegen war mehr eine Sache der stärkeren Eierschale. Es wurden zwei Eier gegeneinandergestoßen. Das zerbrochene Ei ging auf den Besitzer des stärkeren Eies über. „Spitze gegen Spitze und Boden gegen Boden“, nach diesen Regeln wird auch heute noch gepeckt, Kinder wie Erwachsene „rittern“ mit Begeisterung.
Wussten Sie eigentlich, dass das erste Osterei rot gefärbt war? Wer eines fand oder geschenkt bekam, hatte ein langes Leben vor sich, glaubten die Menschen damals. Belege für rotgefärbte Ostereier reichen bis in das 12. Jahrhundert und Berichte über bemalte und verzierte Ostereier gibt es seit dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Ostereier dienten früher als Eierzins oder als Ostergeschenk für Paten. Die Ostereier wurden in den Kirchen geweiht. Je nach Grad der Zuneigung schenkten junge Mädchen ihren Verehrern eine bestimmt Anzahl von Ostereiern. In manchen Gegenden der Obersteiermark hat sich noch ein besonderer Brauch erhalten: Am Gründonnerstag und Karfreitag legen die Hühner besondere Eier: die Antlaßeier, die früher als besonders segenbringend galten. Man hat sie seinerzeit als Schutz gegen den Hagel auf dem Acker vergraben. Aber nicht nur in Europa hat das Ei Tradition, sondern auch in Persien schenkte man sich rotgefärbte Eier zum Neujahrsfest und in China zur Geburt eines Sohnes.
Die Geschichte des Ostereis
Das klassische Osterei, das am Ostermorgen als Symbol geschenkt wurde, war ein durch Erhitzen haltbar gemachtes und dann rotgefärbtes Ei. Es symbolisiert das Grab Jesu. Das Ei ist hart wie ein Stein, tot, leblos und kalt. Und doch beinhaltet es das Leben, das durch die Farbe des Blutes ausgedrückt wird. Die Botschaft des klassischen Ostereis lautet: Christus ist auferstanden und lebt! Er hat Tod und Grab überwunden. Da rotgefärbte Osterei symbolisiert die Macht Gottes über den Tod: Wer die Schale durchbricht wie Frauen am Grab, die den Stein vor der Öffnung wegrollen mussten, trifft auf das Leben. Die Frauen haben als erste die Erfahrung gemacht, Christus ist auferstanden. Wer die Eierschalen aufbricht, trifft auf den köstlichen Inhalt des Eies. Warum ist ausgerechnet das Ei Symbol des Grabes Christi? Das hat tatsächlich mit dem Fasten zu tun. Die vierzigtägige Fastenzeit, forderte den Christen auf, geistig zu leben. Wer nicht mehr gemäß dem Fleische lebt, sondern geistig, der verzichtet auch äußerlich auf Fleisch und Fett. Traditionell aß man in der Fastenzeit kein Fleisch und kein Fett, im Mittelalter also auch keine Milchprodukte.
Aber das Ei? Das Ei galt unseren Ahnen als "flüssiges Fleisch". Deshalb aß man in der Fastenzeit auch keine Eier. Dadurch entstand ein Problem: Das Frühjahr ist die "legefreudige" Zeit der Hühner, Eieranfall und Eierverzehr stehen in keinem günstigen Verhältnis - und das war für eine Zeit, die keinen Kühlschrank kannte, ein echtes Problem. Eier konnte man nur für kurze Zeit konservieren - durch Einlegen oder durch Erhitzen. Unsere Vorfahren lösten ihr Problem geschickt: Wenn man den Eieranfall bei Hühnern nicht regulieren konnte, dann aber die Zahl der Hühner und damit schließlich auch die Zahl der Eier. Vor der Fastenzeit also, wenn man noch fleischlich leben durfte, mussten deshalb viele Hühner ihr Leben lassen.
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