Verwurzelt im Lungau
Ich war diese Woche im Lungau und schaute bei der Familie Doppler vorbei. Für mich zählt die Region zu den verborgenen Schätzen. Wer den Lungau entdecken möchte, kann sich auf drei Wegen annähern. Der kulinarische Weg ist aufgelegt: Eachtleng (Erdäpfel), Schöpsernes (Schaffleisch) oder Alpenmarzipan (süßer Rahmkoch aus Mehl, Butter, Rahm und Zucker) gelten als lukullische Dreifaltigkeit. Auch beim Landhotel Stofflerwirt aus St. Michael. Die Erdäpfeln bekommt Peter Doppler vom Prielitzerhof, Schafe hält die Familie selbst und Lungauer Rahmkoch stellt Gertraud in Eigenregie her. Eine Selbstverständlichkeit für alle Einheimischen. „Das gibts auf jeder Alm. Jede Familie hat ihre eigene Rezeptur“, sagt Doppler.
Keine Selbstverständlichkeit ist es, 30 Biere auf der Karte zu haben. Weder im Lungau, noch in zig anderen Orten in Österreich. Anders beim Stofflerwirt. „Wir haben 30 verschiedene internationale Biere. Vom Sauerbier bis zum Rauchbier. Das ist ein Spleen von mir. Am liebsten trinke ich das Murauer Märzen“, sagt der Biersommelier.
Für Doppler ist aber die Besonderheit des Lungaus - neben dem Kulinarischen - das Brauchtum. „Samson-Umzüge, Prangstangen und Preberseeschießen gibts nur bei uns“, erzählt er stolz. Während bei den Samson-Umzügen sechs Meter hohe und bis zu hundert Kilogramm schwere Holzfiguren von einem Mann getragen werden, sind die Prangstangen nicht minder mächtig. Im Gegenteil: Acht Meter hoch, 80 Kilogramm schwer und mit 60.000 Blüten sind die Stangen geschmückt - sie zählen zu den prächtigsten Bräuchen im Lungau.
Und dann gibt es noch das Preberseeschießen im August, wo die Kugel zuerst an der Wasseroberfläche abprallt und dann - im Idealfall - die hölzerne Zielscheibe trifft. „Ich habs bis jetzt noch nicht herausgefunden, wo man hinschießt. Das sagt dir auch kana. Und woi, die treffen schon ins Schwarze, wenn sie das üben“, sagt Doppler. Bis Sommer wäre Zeit zu üben, doch die meisten genießen aktuell den Winter. Die nächste Loipe ist 500 Meter entfernt, Skipisten sind nach 1,5 Kilometer zu erreichen. Im Frühling wartet der nächste Höhepunkt: „Die Natur, die Gegend und unsere wunderschönen Almen. Das zeichnet uns aus.“
Die Gäste kommen zum Großteil aus Österreich, auch aus Deutschland,Tschechien oder aus Norwegen, speziell wenn der Weltcup-Tross Halt in Hinterstoder macht. Gekocht wird nur für Hotelgäste.Die bekommen dafür eine exklusive kulinarische Rundumbetreuung. Hunde sind ebenso willkommen. „Wir sind sehr hundefreundlich. Die passen gut zu uns“, sagt Robert Ramsebner und erzählt über Skifahrer, Stoderer Winzer, das rege Vereinsleben, die Almen - und das Verhältnis zu Hinterstoder. Aber das ist eine andere Geschichte.
Fotos © Philipp Braun


