Senf, Südtirol und Saiblinge im Stodertal
Das Stodertal mag ein etwas abgelegenes Tal sein, aber deswegen - oder vielleicht genau darum - hat es sich den unverfälschten Reiz bewahrt. „Wir kommen seit 30 Jahren hierher. Es war per Zufall“, sagt ein Stammgast aus Bautzen, der als Gastgeschenk stets den Kultsenf aus der Oberlausitz mitnimmt. „Damals wollten meine Eltern in Tschechien urlauben, fanden kein Quartier, fuhren weiter und landeten beim Gressenbauer in Hinterstoder.“
Die 500 Kilometer sind kein Problem für ihn. Man fühlt sich wohl, genießt die imposante Bergkulisse - und die Küche von Walter Raffl. Auch der Koch ist auch kein Hiesiger, stammt aus dem Passeiertal in Südtirol, auch 400 Kilometer entfernt, und verließ seine Heimat, weil – wie soll es anders sein – er sich verliebte. In die Gegend und in eine Stoderin. In Christine Raffl vom Gressenbauer. "Wir lernten uns auf Saison in Südtirol kennen. Meine Voraussetzung, dass ich weggehe, war, dass es im anderen Ort Berge gibt", sagt Raffl. Berge gibt es. Alle Gäste, die in den schicken Appartments nächtigen wissen das. Wie im Live-TV öffnet sich der Blick auf die mächtige Kulisse mit Großem und Kleinen Priel, Spitzmauer und Steyrsberg. Ein Traum für Bergsportler und Wildromantiker. Auch für Raffl, der seine Inspiration aus der Natur holt und in der Küche umsetzt. Schwerpunkt selbstgemacht. Kompromisslose Qualität. Er zerlegt Tiere selbst, stellt Marmelade, Honig, Most selbst her und – wie es sich für einen Italiener gehört – fertig er auch die Pasta in Eigenregie. Es gleicht fast einer Majestätsbeleidigung, wenn man ihn danach fragt, ob die Nudeln selbst gemacht sind.
Herzstück ist der Brunnen vor dem Haus. "Als ich den das erste Mal gesehen habe, sagte ich mir: Da müssen Fische rein.“ Seitdem schwimmen Forellen und Saiblinge im Kalter, die Raffl zu Ceviche oder Fischsuppe verarbeitet. Oder er brät die Fische im Ganzen."Beim Kochen bin ich offen. Mir gefällt alles, wenn es schmeckt. Es ist bunt gemischt, aber man merkt, dass ich Italiener bin", erklärt Raffl. Mit den Stoderern ist er von Beginn an auf Du und Du und wurde als "Zuagraster" sofort aufgenommen. Verständlich, weil hier das Ehrliche noch zählt.


